der schweiß der götter

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der schweiß der götter

Die Geschichte des Radsports

Benjo Maso | Covadonga Verlag, Bielefeld

2011 |  ISBN: 978-3-936973-60-0 | 14,80 €

 

 

 

Etwas irreführend ist er ja schon, der Untertitel “Die Geschichte des Radsports”. So beginnt das Buch zwar mit den Ursprüngen des Radsports in Frankreich mit den ersten Rennen auf Hochrädern über Distanzen von einem Kilometer, doch ab der ersten Tour de France dreht sich alles nur noch um diese eine Rundfahrt. Andere Rennen wie der Giro d´Italia werden nur so erwähnt, wie es der Erzählung der Tour-Geschichte dienlich ist. Aber irgendwo entspricht das ja auch der Wahrnehmung des Radsports in der breiten Öffentlichkeit. Die Tour steht über allem. Auf der Rückseite des Buches wird man diesem Umstand aber auch gerecht. Dort ist ausdrücklich von der “Tour de France: Die Wahrheit hinter dem Mythos” die Rede.

Der niederländische Autor Benjo Maso ist Soziologe, Historiker und großer Radsportfan. “Schweiß der Götter” erschien erstmals 1990 in den Niederlanden. Nach einer ersten Überarbeitung im Jahr 2003 wurde das Werk für diese erste deutsche Übersetzung erneut auf den aktuellsten Stand gebracht.

Dem regelmäßigen Zuschauer von Übertragungen der Tour de France in ARD und ZDF werden viele der angesprochenen Geschichten in diesem Buch bekannt vorkommen. Nur erzählt Maso nicht einfach nur die Legenden und Mythen, wie sie in der Regel verbreitet werden, sondern wirft einen Blick darauf, wie diese Geschichten wirklich entstanden sind und wer und aus welcher Motivation heraus da und dort an den Geschichten herumgefeilt hat, um eine noch bessere Story erzählen zu können.

Der Schwerpunkt Masos liegt weniger auf der Aufbereitung von Renngeschehen und Ergebnissen. Vielmehr zeigt er auf wie die Medien, Sponsoren und Fahrer, als die drei großen Einflussfaktoren die Entwicklung der Tour de France bestimmten und wie sich deren Rolle über die Jahre entwickelte.

Die Printmedien, zum Beispiel, traten zunächst als Begründer der Rennen auf und berichteten auch als einziges Medium über die selbigen. In Zeiten, in denen kein Zuschauer das gesamte Renngeschehen überblicken konnte, hatten die Zeitungen es also völlig in ihrer Hand, wie sie ihren Lesern das Rennen schildern wollten. Zwar können auch heute noch die Medien beeinflussen, wer zum Star wird und wer nicht, doch läuft dies unter anderen Voraussetzungen ab als in den frühen Jahren der Tour.

In den Anfangsjahren waren es einzig die Fahrrad- und Reifenhersteller, die als Sponsoren in Erscheinung traten. Die hatten natürlich andere Ziele und Erwartungen als radsportfremde Sponsoren, die in den späteren Jahren den Radsport für sich entdeckten. Als wichtigste Werbekunden der veranstaltenden Zeitungen wurde den erfolgreichen Fahrradmarken natürlich auch eine besondere Behandlung in den Rennberichten zu teil.

Alles in allem kann man in diesem Buch noch so einiges lernen. Auch oder gerade, wenn man schon viele Stunden Tour-Berichterstattung bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten hinter sich hat. Man muss nur sagen, dass der Lerneffekt und die Detailverliebtheit abnehmen, wenn sich der Autor dem Geschehen der 80er und 90er Jahre nähert. Man merkt auch einen Unterschied zwischen dem Originalteil und den Ergänzungen von 2003 und 2011. War zuvor noch das Zusammenspiel der drei Kräfte im Vordergrund, springt nun das Doping in den Vordergrund und bestimmt die Sichtweise auf alle Geschehnisse. Doch auch dieser Teil ist durchaus noch lesenswert. Abgesehen von dem Satz in dem mit Carlos Sastre, dem einzigen skandalfreien Tour-Sieger der letzten 20 Jahre als “sehr sympathischer Veteran […] mit herzlich wenig Charisma” abgetan wird.

So gut sich das Buch auch liest, ganz fehlerfrei ist aber auch nicht. Bei einer Bildunterschrift (S.82) werden die Brüder Charles und Francis Pélissier miteinander verwechselt. Auf Seite 197, ebenfalls in einer Bildunterschrift, wird aus dem Team Café de Colombia das Team Café de Columbia. Und zumindest sehr verwirrend sind die Schilderungen über Henri Péllisier, seinen Sieg bei Paris-Roubaix 1921 und spätere Gehaltsforderungen und Teamwechsel (S.74/75). Da passen Einleitung und Auflösung der Geschichte nicht zusammen. D.h., der Überraschungseffekt am Ende wird durch die Einleitung schon kaputtgemacht.

Wertung: 4/5

Weiterführende Links:
Das Buch beim Verlag (mit Leseprobe)
Interview mit Benjo Maso (engl./September 2010)
Besprechung des englischen Buches

Disclaimer: Das Buch wurde mir vom Verlag unaufgefordert zur Rezension zugesandt.

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